
Bestseller verfasst Jan Weiler. Auf dem Roten Bankerl erzählt der Autor von neuen Projekten und Schriftsteller-Klischees.
PRIEN. Sein Debütroman „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Der gelernte Journalist Jan Weiler verfasst heute Romane, Kolumnen, Hörspiele und Drehbücher. Er spricht seine Texte auf Hörbuch und begeistert auf Lese-Tourneen durch ganz Deutschland.
REDAKTION: Herr Weiler, vor zehn Jahren hat Sie Ihr Arzt nach einem Darmdurchbruch gewarnt: Wenn du so weitermachst, gibst du über kurz oder lang den Löffel ab. Wie haben Sie Ihr Leben verändert?
WEILER: Ich habe die Dingeabgestellt, die mich krank machten. Das hing stark mit der Identifikation mit meinem Job zusammen. Man warf mir eine Überidentifikation mit meiner damaligen Arbeit vor, und da war wohl was dran. Ich zerriss mich für diesen Chefredakteursposten. Offensichtlich sollte man die Dinge, die man tut, zwar professionell tun, sich selbst davon aber möglichst abtrennen. Vor allem darf man nicht zu viel Verantwortungsgefühl entwickeln. Ich bin letztlich nicht für das Wohlergehen von Mitarbeitern verantwortlich. Das muss man erst mal lernen.
REDAKTION: Sie lehren Studenten an der Journalistenschule in München die Kunst des Porträtierens. Eine Kernbotschaft lautet: Der Schreibende solle versuchen, dem Porträtierten gerecht zu werden. Wie werde ich Ihnen gerecht?
WEILER: Indem Sie sich nicht darauf verlassen, was Sie bei Google über mich herausgefunden haben, sondern darauf, was Sie in diesem Gespräch sehen, empfinden und verstehen. Informationen aus dritter Hand können die eigene Erfahrung nicht ersetzen! Sonst kommt so etwas heraus wie bei Herrn Seehofers Modelleisenbahn.
REDAKTION: Wenn man Sie so sieht, käme man nicht auf die Idee, dass Sie mal Punker waren. Was ist dran an der Geschichte?
WEILER: Doch, das stimmt. Und in der Schule war ich ein Leistungsverweigerer. Nur dank der kuriosen Abiturfachkombination aus Deutsch, Englisch, Bio und Philosophie habe ich den Abschluss geschafft.
REDAKTION: Wobei diese Fächer ja schon fast klischeehaft zu einem Schriftsteller und Journalisten passen…
WEILER: Journalist wollte ich mangels Fantasie tatsächlich früh werden. Allerdings hatte ich keinen Bock zu studieren. Ich fand und ignorierte dann immer wieder Studienführer auf dem Bett. Über meinen Vater nahm ich schließlich Notiz von der Deutschen Journalistenschule. Die reizte mich, und erst, als ich diese Hürde im vierten Anlauf nahm, waren meine Eltern beruhigt.
REDAKTION: Um bei den Klischees zu bleiben, immerhin behandelt Ihr Erfolgsroman deutsch-italienische: Bedienen sie sonstige Schriftsteller-Klischees?
WEILER: Was mich mit vielen Schriftstellern verbindet, ist eine gewisse Alltagstrotteligkeit. Leider ist es nur bedingt komisch, wenn man den Müll raustragen soll, die Tüte vergisst, um dann im Garten herumzustehen, ohne zu wissen warum. Man entscheidet dann vielleicht spontan, einen Liter Milch kaufen zu gehen, kommt zurück und die Frau fragt: Warum steht der Müll noch da?
REDAKTION: Man erkennt den Protagonisten Ihrer biografisch angehauchten Kolumne. Mit einer anderen Biografie sollen Sie quasi zu Ihren wilden Wurzeln zurückkehren. Woran arbeiten Sie?
WEILER: Sie spielen wahrscheinlich auf die Biografie über die „Toten Hosen“ an. Das Buch wird im Frühjahr fertig, erscheint zur Frankfurter Buchmesse und wird sogar eine gemeinsame Lesereise mit der Band nach sich ziehen.
REDAKTION: Klingt anstrengend. Ist da noch Platz für weitere Projekte?
WEILER:Durchaus! Zu dieser Biografie produzieren wir eine CD. Es wird dieses Jahr ein neuesHörspiel geben, für einen Hörverlag lese ich eine CD über Mark Twain, ich werde auf große Solo-Herbsttour gehen, verfasse natürlich weiterhin meine 52 Kolumnen für die „Welt am Sonntag“ und fange mit einem neuen Roman an. Außerdem wird ja „Antonio im Wunderland“ verfilmt. Langweilig
wird’s also nicht.