
Mit Otto Dufter nimmt auf dem Roten Bankerl ein Trachtler mit Leib und Seele Platz. Der 76-Jährige Unterwössener hat kürzlich nach 17 Jahren das Amt als Bayerns Trachten-Chef abgegeben.
Redaktion: Herr Dufter, was macht einen Trachtler aus?
Dufter: Das habe ich selber auch erst lernen müssen. Die Geselligkeit ist sicher wichtig, aber vorrangig sind es die Trachten und Bräuche an sich. Mit seiner Tracht bekennt man sich zu seinem Verein, seinem Ort und zur Gegend.
Redaktion: Sie sind schon als kleiner Bub zum Trachtenverein gekommen. Wie einfach ist es heute, die Jugend für Trachtenvereine zu begeistern?
Dufter: Bei der Kinder- und Jugendgruppe ist es noch relativ einfach. Aber wenn dann der Sprung in die Erwachsenengruppe ansteht, wird’s schwierig wegen der medialen Überflutung und der modernen Gesellschaftsausrichtung.
Redaktion: Was halten Sie von neuen „Bräuchen“ wie Halloween?
Dufter: Das braucht’s wirklich nicht. Wir haben in Bayern so viel Brauchtum. Unsere eigenen Traditionen sollten den Bürgern bewusst werden.
Redaktion: Haben Trachtler heute ein schlechteres Ansehen als früher?
Dufter: Es gibt schon noch Leute, die uns für Ewiggestrige halten. Aber ich hatte als Verbandsvorstand ja oft mit angesehenen Personen zu tun. Also die bewerten die Trachtenbewegung sehr hoch.
Redaktion: Gab es diese Einstellung schon immer?
Dufter: Als ich mit meiner Frau das erste Mal auf einem Staatsempfang war, haben wir beide als Einzige Tracht getragen - und da waren über tausend Gäste! Heute kommen zu solchen Anlässen hundert Damen im Dirndl. Die Frau des ehemaligen Ministerpräsidenten Goppel meinte einmal, dass meine Frau das Dirndlgwand hoffähig gemacht hat. Da haben wir Akzente gesetzt, da sind wir schon stolz drauf.
Redaktion: Haben Sie als Trachtenvorstand auch mal schlechte Zeiten erlebt?
Dufter: Drei Gauverbände waren gegen das Zentrum der Heimatpflege, das der Landesverband gerade im niederbayerischen Holzhausen errichtet. Sie sind ausgetreten. Das hat mich schon ins Herz getroffen. Dass sie all ihre kameradschaftlichen Bekenntnisse wegschmeißen und den Verband verlassen, nur aus finanziellen Gründen. Das war der größte Schlag, den es überhaupt geben hat können. Aber die verbliebenen 22 Gaue machen das Beste daraus und stehen dahinter. Es wird nicht nur ein Museum, sondern auch ein Jugendbildungszentrum. Dann können wir den jungen Leuten das Trachtlerische und das Thema Heimat besser vermitteln. Wir haben eine Kultur wie nicht leicht jemand anderer auf der Welt. Die muss man erhalten.
Redaktion: Wird Ihnen Ihr Amt abgehen?
Dufter: Ich glaube kaum. Aber noch merke ich nicht viel davon, das ich jetzt mehr Zeit hätte. (Anm. d. Red.: Seine Frau sitzt daneben und lacht.) Das Telefon läutet noch ständig. Aber einmal Trachtler, immer Trachtler. Judith Schmidhuber