
Der Golfschläger-Hersteller „Marken-Golf” will expandieren und kann nicht. Chef Mike Klais sucht seit drei Jahren ein passendes Grundstück - vergeblich.
Chieming. Die Werkstatt in Chieming platzt schon lange aus allen Nähten. Für nichts ist Platz, ständig müssen Mike Klais und seine vier Angestellten improvisieren. Eine nervige Angelegenheit. Wirklich bitter aber ist, dass die räumliche Enge Marken-Golf sogar dazu zwingt, Aufträge abzulehnen.
Weil das Geschäft gut läuft - Marken-Golf produziert jährlich gut 8.000 Schlägersätze für ambitionierte Golfspieler, der Jahresumsatz liegt bei fast einer Million Euro -, entschied sich Unternehmenschef Klais schon vor drei Jahren für eine Expansion. Eine Million Euro will er dafür in die Hand nehmen. Eine ausreichend große Produktionsstätte und ein Trainingszentrum für Golfspieler, eine so genannte „Driving Range”, sollen entstehen - und sechs neue Arbeitsplätze; zwei davon sollen Lehrstellen sein.
Das Vorhaben steht, doch an der Umsetzung scheitert der erfolgreiche Unternehmer seit drei Jahren. Bislang konnte er noch kein geeignetes Grundstück oder Gebäude finden. 2007, nach einem Jahr erfolgloser Suche, nahm Mike Klais Kontakt mit Harald Schwarzbach von der Wirtschaftsförderung Traunstein auf. Der fragte bei fast der Hälfte der Gemeinden im Landkreis an, ob sie ein geeignetes Grundstück oder Gebäude für das Vorhaben hätten. „Die Reaktion war tatsächlich null”, erinnert sich der Chieminger und schimpft: „Das ist doch Wurstigkeit hoch drei, wenn ich null reagiere auf die
Anfrage eines Unternehmens, das sich ansiedeln will.”
Ende 2008 dann ein erster Lichtblick: In der Nähe von Seeon gibt es ein geeignetes Objekt. Früher war dort das Hotel Scheitzenberg untergebracht, seit Jahres steht es jetzt aber leer. „Das Gebäude und das Grundstück wären ideal”, sagt der Golfschläger-Produzent. Doch die Gemeinde Seeon-Seebruck, der Besitzer der Immobilie, halte ihn jetzt seit einem dreiviertel Jahr hin, klagt Klais. Der Grund: Die Kommune hätte gerne einen Hotelier als Käufer. „Man vertröstet mich von einem aufs andere Mal. Erst hieß es, die Entscheidung falle im Dezember, dann hieß es Mai und dann Juni - und jetzt ist immer noch nichts entschieden.”
Die Warterei hat vermutlich so schnell auch kein Ende, wie die Antwort von Seeon-Seebrucks Bürgermeister Konrad Glück auf die Frage zeigt, wie lange sich die Angelegenheit noch hinziehen werde: „Ich will das heuer schon noch zu einer Entscheidung bringen.” Das Gemeindeoberhaupt versichert zwar, dass Marken-Golf nicht aus dem Rennen sei, bestätigt aber den gemeindlichen Wunsch, einen Hotelier als Käufer zu finden. „Wir haben auch bereits Interessenten”, so Glück. Zu Marken-Golf meint der Rathauschef: „Wir sind der Firma nicht böse, wenn sie sich was anderes sucht.” Und: „Ich hätte sie aber auch gerne in der Gemeinde.”
Mike Klais’ Geduld ist langsam am Ende. Schon öfter hat der gebürtige Chiemgauer mit dem Gedanken gespielt, nach Österreich umzusiedeln. „Die zeigen uns, wie’s geht”, glaubt er. Harald Schwarzbach von der Wirtschaftsförderung hält dagegen. „Ich habe Kontakte nach Österreich und weiß: Auch dort würde Herr Klais auf die Schnelle nichts bekommen.“ Branchenkollegen, die anderes behaupten würde, seien Schaumschläger, so Schwarzbach.
Das Problem im Fall Klais sieht der Wirtschaftsförderer in der Driving Range, die der Golfschläger-Produzent errichten will; sie soll 100 auf 300 Meter groß sein. „In dieser Größe ist es in der Tat schwierig, eine passende Fläche zu finden.“ Hinzu käme eine gewisse Lärmentwicklung und dass die gehobene Kundschaft von Marken-Golf ja auch ein gewisses Umfeld brauche. „Ich denke da an unsere touristischen Zentren.“
Der Wirtschaftsförderer betont, dass er in Marken-Golf großes Potential sieht - auch für den Landkreis. „So ein Unternehmen ist durchaus ein Magnet“, sagt Schwarzbach. Allerdings, das räumt er ganz vorsichtig ein, erkenne das vielleicht nicht jeder auf Anhieb. Er selber bietet weiter seine Hilfe an, denn: „Wir können es uns nicht leisten, dass unsere Unternehmen abziehen.“ Im Fall Marken-Golf habe er auch alle Hebel, die ihn zur Verfügung stünden, in Bewegung gesetzt - und werde das weiter tun. Trotzdem: An eine schnelle Lösung glaubt auch er nicht.