Augen auf am Straßenrand: meist steckt hinter den skurrilen Ortsnamen eine ganz vernünftige Erklärung.
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Von Hundsöd über Höll ins Himmelreich

Kreis Traunstein - Das Paradies liegt bei Schönram, die Höll gehört zu Siegsdorf und Wien ist ein Ortsteil von Inzell. Wir haben im Landkreis skurrile Ortsnamen gesucht - und nachgeforscht.

Im Sommer beim Radeln, da ist das Tempo gemütlicher und man nimmt mehr wahr als sonst. Überall am Straßenrand tauchen sie plötzlich auf: die Ortsschilder mit den lustigen Namen. Herzog im Feld, Schimpflingsöd, Bildhauer, Geiersnest, Sauberg oder Fasanenjäger steht auf den Taferln.
Erst muss man lachen, kommt dann aber doch ins Grübeln: Ist es in „Siebenöd“ sieben Mal so langweilig, wie in „Öd“? Muss sich jemand, der in „Hundsöd“ oder „Oberöd“ lebt, nicht wünschen, „nur“ in „Halböd“ zu wohnen? Wie riecht es in „Duft“ bei Inzell? Haben die Leute in „Rausch“ bei Traunstein oft einen solchen? Wenn alle ins „Himmelreich“ wollen, warum ist der Weiler bei Tittmoning dann so klein? Wieso liegt „Donau“ bei Marquartstein, wo doch da nur die Tiroler Ache fließt? Und ist es nicht hochstaplerisch, wenn ganz „Bayern“ auf rund fünf Häuser bei Grassau und die österreichische Landeshauptstadt zum Inzeller Ortsteil „Wien“ reduziert wird?
Aus den Fingern gesaugte Pseudo-Erklärungen sind schnell gefunden, haben aber außer dem Unterhaltungswert sonst keinen Wert. „Man muss erst rauskriegen, wie es früher hieß, dann lässt sich der Ortsname deuten“, rät Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein. Er ist Lehrbeauftragter für Namenkunde an der Universität München und hat für sein „Lexikon bayerischer Ortsnamen“ auch bei vielen Gemeinden im Landkreis Traunstein nachgeforscht. Diabolische Gedanken kommen dem Namenforscher keine bei „Höllhund“ (bei Tacherting) oder „Neunteufeln“ (bei Kirchanschöring) - dafür hat er ganz simple Erklärungen: „Höllhund“ könnte ein Spottname für einen Hofbesitzer gewesen sein, der aber mit dem Cerberus der griechischen Mythologie wenig zu tun hatte. Eher schon mit „hehlen“, verstecken. Und in „Neunteufeln“ hauste nie eine Luziferhorde - wohl aber 1459 ein gewisser Wolfgang Mulner zu Neunteufeln, der wohl so hieß, weil er häufig „neun Teufel“ vor sich hin fluchte.
Ob es sich in den zwei „Öd“ und den acht „Oed“ im Landkreis furchtbar langweilig lebt, kann der Experte nicht wissen - wohl aber, dass dies in unserer Siedlungsstruktur mit vielen abgelegenen Einzelhöfen ein häufiger Name ist. Häufig wurde „Öd“ ergänzt durch den Namen des Besitzers (Vogelöd oder Paulöd). Bei „Hundsöd“ steckt wohl eine Abwertung dahinter; zum Beispiel wegen des wenig fruchtbaren Bodens.
Immer wieder haben Ortsnamen ihren Ursprung in Berufsgruppen, die dort ansässig waren: „Eisenärzt“ spielte zur Zeit Kaiser Ludwig des Bayern eine große wirtschaftliche Rolle; noch im 19. Jahrhundert war dort eine Schmiede. Weniger deutlich ist es bei „Harpfing“ bei Schnaitsee: schon 1320 ist es als „Harpfern“ genannt - bei den Harfenmachern. Lange waren die Handwerker dort spezialisiert auf die Herstellung von Harfen. Amüsant sind auch „Fritz am Sand“, „Schuster am See“, „Herzog im Feld“ oder „Hainz am See“. Der Namenforscher erklärt am Beispiel von „Fritz am Sand“, nahe Ruhpolding: Um 1810 hieß der Weiler einfach „Fritzhof“ - der Hof eines Fritz. Zur Unterscheidung anderer Fritz-Orte bekam er später den Zusatz.
„Donau“ bei Marquartstein hat im übrigen nichts mit dem Fluss zu tun. Viel mehr hauste dort ein Rappold Tannauer - und Tannau wurde zu Donau. Und in „Wien“ bei Inzell wohnte sehr wahrscheinlich mal einer, der aus Wien hergezogen ist.
Weder in „Groß-“ noch in „Kleinscherzhausen“ muss es besonders lustig zugehen: 1409 sind die Weiler bei Waging als „Scherfhausen“ verzeichnet, später „Schershausen“. „Scher“ deutet auf den Familiennamen eines Schneiders oder Barbiers hin. „Rausch“ kann, muss aber nicht, auf die Vorliebe eines einstigen Bewohners zurückgehen. Und bei „Umundum“ bei Fridolfing liegt es nahe, dass dort ein Einwohner zu Wirrwarr und Tumult neigte.

Katrin Detzel 21.08.2007

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