Hilfe mit Hindernissen

Schwierigkeiten. Der Sozialmarkt in Freilassing feiert zweijähriges Jubiläum. Der Bedarf ist riesig, die Initiatoren fühlen sich aber bei ihrer Hilfe allein gelassen.

Freilassing. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag warten um 10 Uhr bis zu 30 Personen darauf, dass Michaela Stephan die Tür zum Sozialmarkt (Soma) Freilassing öffnet. „Der Bedarf nach günstigen Lebensmitteln und nach Gütern wie Kleidung, Möbel und Spielzeug ist riesengroß”, weiß die sechsfache Mutter.

Seit zwei Jahren versorgt der Soma bedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfes. Doch ihr Engagement hat Michaela und ihren Mann Walter Stephan sowohl finanziell als auch nervlich an die Grenzen geführt. „Leider waren wir bei einigen zu gutmütig, in Einzelfällen haben wir sogar mit unserem privaten Geld ausgeholfen, um Menschen aus einer Notlage zu helfen. Im Nachhinein haben wir feststellen müssen, dass wir hinterhältig ausgenutzt wurden”, sagt Walter Stephan.

Stattdessen machten Gerüchte in Freilassing die Runde, die Familie würde sich mit dem Soma eine goldene Nase verdienen: „Das Gegenteil ist der Fall”, betont Walter Stephan.

Auch nicht zum Besten steht es im Verhältnis zur Freilassinger Tafel: „Eigentlich habe ich am Anfang gehofft, dass wir uns ergänzen. Die Tafel sieht uns leider als Konkurrenz. Es wurden sogar Flugblätter gegen einen Mitarbeiter von uns verteilt, der in unserem Namen, Essen auf dem Wochenmarkt gesammelt hat. Dabei habe ich den Standbetreibern immer eine Spendenquittung ausgestellt, dass die Lebensmittel für uns bestimmt sind”, erklärt Michaela Stephan.

Das sieht Günter Müller von der Freilassinger Tafel anders: „Uns wurde gesagt, dass auf dem Freilassinger Wochenmarkt ein Herr im Namen der Tafel Lebensmittel einsammelt. Das wollten wir klarstellen, mehr nicht”, so der Leiter der Logistik der Freilassinger Tafel. Zum gegenseitigen Verhältnis sagt Müller: „Wir sind keine Konkurrenten, weil wir ja auch ein anderes Konzept verfolgen. Bei uns gibt es ausschließlich Lebensmittel und Frischware, hingegen bietet der Soma ja weitere Waren des täglichen Bedarfes an.”

Nicht nur einmal hat das Ehepaar Stephan ans Aufgeben gedacht. Kraft bekommen Michaela und Walter Stephan durch die vielen Bedürftigen und durch die Unterstützung derer, die ihnen mit Sach- und Essensspenden helfen. „Die Bedürftigen sagen: ,Bitte hört nicht auf.‘ Und die, die uns Essen, aber auch Möbel und Spielzeug geben, dürfen erwarten, dass wir ihre Spenden ordentlich weitergeben, an die, die es brauchen.”Die beiden hoffen dennoch, dass sich der Soma aufrecht erhalten lässt. „Wir bräuchten dringend einen Trägerverein. Der würde uns ernorm helfen”, erklärt Michaela Stephan, denn Ideen hat die sozial engagierte Mutter weiterhin genug.

„Viele Bedürftige auf dem Land haben kein Auto oder nicht einmal Geld für öffentliche Verkehrsmittel, so dass sie schwer zu uns kommen können. Ein Soma-Bus könnte in die Dörfer fahren und vor Ort Essen sammeln und auch wieder verteilen.”

Ebenfalls angedacht hat Michaela Stephan, behinderte Menschen in ihr Projekt zu integrieren. „Im Laden gibt es viele Aufgaben, die behinderte Menschen gut übernehmen könnten, beim Einräumen helfen, aber auch an der Kasse. Gleichzeitig würde ihre Integration in die Gesellschaft enorm gefördert.”

Axel Heise 23.02.2010

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