Aus einem Unikat entsteht ein zweites: Professor Kunito Nagaoka bringt die Grabstein-Inschriften von Stein auf Papier.
Foto:Sandra Schwaiger

Solange es noch Namen gibt

Gegen das Vergessen. Ein Kunstprofessor aus Japan hat es sich zur Aufgabe gemacht, die uralten Grabstein-Inschriften im berühmten Kreuzgang von Laufen zu erhalten.

Laufen. Den bedeutendsten Grabstein hat sich Kunito Nagaoka bis zum Schluss aufbehalten. Jetzt steht der Kunstprofessor aus Kyoto vor der gut zweieinhalb Meter hohen Steinplatte im Inneren der Stiftskirche und hält einen selbst angefertigten Tupfer mit schwarzer Farbe in der Hand; die Platte vor ihm erinnert an Ritter Heinrich von Lampoding, gestorben 1347, den großen Stifter des Laufener Gotteshauses. Das Verfahren, das der Japaner anwendet, ist uralt. Die so genannte TakuHon-Technik ermöglicht es, die Botschaft des Grabsteins auf Papier abreiben. Die Blätter hat Nagaoka aus seiner Heimat mitgebracht. „Sie entstehen aus der Rinde von Maulbeerbäumen”, erklärt er. Bis zu fünf Stunden braucht der Wissenschaftler, bis Handdrucke von höchster Qualität entstehen.

Der Zufall hat den Professor an die Salzach verschlagen. In einem Sommerkurs, den er in Tschechien hielt, erzählte ihm eine Studentin aus Österreich vom einmaligen Kreuzgang in Laufen. Nagaoka nahm Kontakt auf und begann 2004 damit, die Grabplatten abzureiben. In sechs Jahren sind so 50 Handdrucke entstanden.

„Für mich als Japaner ist es seltsam, zu Fuß über Grabplatten zu gehen”, sagt Kunito Nagaoka über die Grabsteine, die im Kreuzgang und in der Kirche auch auf dem Boden verlegt sind. Als Kunsthistoriker schmerzt es ihn, dass die vielen Schritte die Steinplatten abnutzen und die Inschriften langsam verschwinden. „Vieles ist schon nicht mehr zu lesen. Den Rest will ich für die Nachwelt aufbewahren”, erklärt der 70-Jährige. „Wenn es sonst keiner macht, dann mache es eben ich”, schiebt er grinsend hinterher. In der Tat hat es in den vergangenen hundert Jahren keine Dokumentation mehr gegeben. Die Laufener Pfarrei Maria Himmelfahrt unterstützt darum von Anfang an das Projekt des Japaners.

Daten & Fakten
Die Handdrucke, die der japanische Professor Kunito Nagaoka von den Grabplatten im Kreuzgang in Laufen gemacht hat, werden ab Donnerstag, 16. September, in der Michaelskapelle in Laufen in der Ausstellung „Solange es noch Namen gibt” zu sehen sein. Die Pfarrei gibt außerdem ein Buch zu dem Projekt heraus. (sa)

Sandra Schwaiger 24.08.2010

Artikel drucken       Fenster schliessen


URL zu diesem Artikel:
www.chiemsee-nachrichten.de/zet_report_387_46220.html
Copyright 2010 by chiemsee-nachrichten.de