
Kein Respekt mehr. Brutale Gewalt gegen Polizisten nimmt zu. Die Gewerkschaften schlagen darum Alarm - am Freitag, 12. März, auch in Traunstein.
Traunstein. August 2008: Schlägerei in einer Traunsteiner Discothek. Drei Polizeibeamte versuchen vier Raufbrüder im Zaum zu halten. Plötzlich beginnt einer der Rabauken, die Menge aufzustacheln. „Schlagt die Bullen tot”, schreit er. Tatsächlich stellen sich etliche zunächst unbeteiligte Discobesucher hinter den Unruhestifter, es gibt erste Handgemenge. Nur weil sehr rasch weitere Streifenwagen zur Verstärkung eintreffen, beruhigt sich die Lage wieder.
Eine Situation, mit der sich Polizeibeamte immer öfter auseinandersetzen müssen: Sie sind Opfer von verbalen und körperlichen Attacken. Im Bereich der Polizeiinspektion Traunstein hat sich die Zahl der „Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte” in den vergangenen fünf Jahren - wenn auch auf einem verhältnismäßig niedrigem Niveau - verdreifacht. Darum stehen auf dem Stundenplan der Beamten auch regelmäßig Trainingsstunden, wie man im Fall einer Attacke verhält.
Oft geschehen Übergriffe auf Polizisten ohne nennenswerten Grund. „Erste letzte Woche hatten wir einen jungen Mann in der Ausnüchterungszelle, der ein Glas Wasser wollte. Nach dem ersten verlangte er noch ein zweites. Dessen Inhalt schüttete er dem Kollegen dann ohne Vorwarnung ins Gesicht”, erzählt Walter Ponath von der Polizeiinspektion Traunstein, Kreisvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.
Er beobachtet einen Wandel im Ansehen seines Berufsstands: Früher seien Polizeibeamte Respektspersonen gewesen, heute oft die Prügelknaben der Nation. „Ich muss da nur an meine eigene Kindheit zurückdenken”, sagt Walter Ponath. „Wenn ich früher als Kind freihändig mit dem Fahrrad gefahren bin und mir ein Polizeibeamter untergekommen ist, dann habe ich meine Hände so schnell wie möglich an den Lenker getan. Wenn ich heute einen Jugendlichen anspreche, der freihändig fährt, dann muss ich damit rechnen, dass eine halbe Stunde später seine Mutter bei mir im Büro steht und mich fragt, was mich das angeht.”
In Ponaths Augen nehmen Angriffe auf Polizisten auch darum zu, weil man sie toleriert. „Wenn ich heute einen Polizeibeamten ‚Bulle’ nenne und das keine Konsequenzen hat, dann nenne ich ihn beim nächsten Mal ‚scheiß Bulle’. Das schaukelt sich so hoch.” Ein Grund, warum die Polizei-Gewerkschaft jetzt die Einführung eines neuen Paragrafen im Strafgesetzbuch fordert, der Angriffe auf Vollstreckungsbeamte unter Strafe stellt.
Um Unterstützer für ihr Vorhaben zu finden, wird die Gewerkschaft der Polizei am Freitag, 12. März, zwischen 11 und 13 Uhr einen Informationsstand am Traunsteiner Maxplatz aufstellen. Dort will man zum einen auf die Problematik „Gewalt gegen Polizisten” aufmerksam machen, zum anderen liegen Unterschriftenlisten aus.