
Blickfang. Gruselige Monster und grausam zugerichtete Leichen sind Tommy Opatz’ Tagesgeschäft: In seiner Münchner Spezialeffekte-Werkstatt arbeitet der Reit im Winkler für Filmproduktionen.
Reit im Winkl/München. Wenn Tommy Opatz erzählt, was er tut, dann finden das viele befremdend. Wenn man sieht, was er macht, dann kann es einem schon mal kalt den Rücken hinunter laufen. In der Werkstatt des 35-Jährigen liegen abgehackte Köpfe und abgerissene Finger herum. Freilich ist alles nur aus Silikon. Doch es sieht erschreckend echt aus.
Um das zu erreichen, sind Kreativität, Fingerfertigkeit und Geduld gefragt. „Wenn ich einen Menschen um 40 oder 50 Jahre altern lasse, dann bin ich mit der Maske gut drei Wochen lang beschäftigt - und das aufschminken dauert dann noch mal einige Stunden”, erzählt der Maskenbildner.
Sein Arbeitsfeld ist vielseitig: Er kreiert Masken, Dummies und Kreaturen und bringt Make-up auf. Immer geht es um Spezialeffekte, immer ist es spektakulär. „Die Schauspieler sind oft erstaunt, wenn sie das Resultat sehen.”
Schon früh hat sich Tommy Opatz für gruselige Gesellen interessiert: „Ich habe schon ganz früh angefangen, Horrorfilme zu schauen und dann gegrübelt, wie solche Masken wohl entstehen.” Nach einer Friseurlehre und einigen Jahren im Beruf - unter anderem in London - wechselte der kreative Kopf dann zur Maskenbildnerei. Er besuchte eine Schule in München, absolvierte ein Praktikum und ergatterte eine Führungsposition in Berlin. 2006 gründete der Reit im Winkler seine eigene Werkstatt für Spezialeffekte in München.
Deutschlandweit hat Tommy Opatz nur ungefähr zehn Mitbewerber. Trotzdem ist die Konkurrenz untereinander groß: „Im Vergleich zu Hollywood gibt es in deutschen Filmen viel weniger Spezialeffekte”, erklärt er.
Trotzdem ist es ihm gelungen, sich einen Namen zu machen. Gerade arbeitet der 35-Jährige beim Dreh vom Münchner „Tatort” mit. In der Vergangenheit hat er bei so bekannten Produktionen wie „Polizeiruf 110”, „Wilde Kerle” und „Rennschwein Rudi Rüssel” mitgewirkt. Besonders gerne erinnert sich Opatz an den Dreh von Marcus H. Rosenmüllers „Räuber Kneißl”. „Es war wirklich toll mit Rosi zu drehen. Der hatte immer einen Witz auf der Lippe.” Für den Kinostreifen schuf der Maskenbildner den Kopf, den man dem Räuber am Filmende abhackt. „Im Film war er dann aber gar nicht zu sehen. Das wäre doch ein wenig zu gruselig gewesen.”
Sein größter Auftrag war bisher zum Horrorfilm „Bloodrayne”. In dem Streifen, in dem unter anderem der bekannte britische Schauspieler Ben Kingsley mitwirkt, spritzt das Blut nur so. „Da gibt es Monster, Köpfungen und vieles mehr.” Alles, was Tommy Opatz schafft, ist letztlich ein Prototyp.
Ein wenig harmloser geht es jetzt beim Tatort-Dreh zu. Aber mit Schlägereien und Leichen hat es der Maskenbildner auch hier zu tun. Für Tommy Opatz nicht ungewöhnlich. Es ist seine Normalität.