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Im Notfall über den Acker


In Österreich ist die neu eingeführte Rettungsgasse in aller Munde. Hierzulande ist die Regelung
nach 30 Jahren weitestgehend eingeschlafen.


SALZBURG. Eine drei Millionen Euro teure Informationskampagne der Asfinag sowie Dauerberichterstattung in den österreichischen Medien haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Schon im Dezember waren Rettungsgassen auf Salzburgs Autobahnen zu beobachten sowie - mehr oder weniger erfolgreich - auch schon einige Male seit dem offiziellen Start am 1. Januar. Viel zitiertes Vorbild für das Modell ist Deutschland, wo es bereits seit 1982 vorgeschrieben ist, bei Stau in der Mitte der Fahrbahn Platz für Rettungsfahrzeuge zu machen. Allerdings: In der Praxis sucht man Rettungsgassen auf deutschen Autobahnen meist vergebens. „Diese Einschätzung entspricht leider auch der Realität“, bestätigt Almut Schönermarck, Verkehrsmedizinerin beim ADAC Bayern. Als langjährige Notärztin ist sie auch selbst im Einsatz im Stau gestanden: „Dann suchen sich die Rettungsfahrzeuge ihren eigenen Weg, was zu weiteren Verwirrungen führen kann. Da humpelt auch schon mal wer übern Acker.“

Das Problem kennt auch Hans Heigermoser von der Verkehrspolizei Traunstein: „Wenn’s zum Stau kommt, steht jeder auf seinem Fahrstreifen, und wenn dann Einsatzfahrzeuge kommen, bricht das große Chaos aus.“ Trotz 30-jähriger Erfahrung sei es kein Automatismus, dass die Autofahrer in der Mitte Platz lassen, wenn der Verkehr zum Stillstand kommt: „Das entwickelt sich erst, wenn von hinten jemand mit Martinshorn kommt“, erklärt Heigermoser. Beim ÖAMTC Salzburg steht man dem Konzept trotzdem positiv gegenüber und will sich die Entwicklung in Österreich erst einmal anschauen. Sprecherin Aloisia Gurtner gibt sich allerdings auch keinen falschen Illusionen hin: „Das permanente Bewusstsein jetzt gerade wird sicher wieder abflauen.“

MATTHIAS PETRY 17.01.2012
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