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NACHRICHTEN | Lokales | Berchtesgadener Land

Stichwahl: Machtwechsel in Bad Reichenhall
Bad Reichenhall - Nach 18 Jahren ist am Sonntagabend in Bad Reichenhall die Ära Wolfgang Heitmeier zu Ende gegangen. Mit 53, 1 Prozent der Stimmen wählten die Kurstädter Herbert Lackner von der CSU zum neuen Oberbürgermeister. Der bisherige Amtsinhaber nahm das Ergebnis bedrückt, aber gefasst entgegen. Auf den neuen Amtsinhaben warten schwere Aufgaben. Nach den ersten Schritten zu einer positiveren Tourismusentwicklung braucht die Stadt weitere Impulse, um den Aufwärtstrend fortzusetzen.
Die bedrückte, aber gefasste Miene von Wolfgang Heitmeier verrät alles. Als er gegen 18.30 Uhr in den Großen Saal im Reichenhaller Rathaus kommt und nach sechs von elf Wahlkreisen mit rund acht Prozent zurückliegt, ahnt er wohl bereits, dass es für eine vierte Amtsperiode nicht reichen wird. Stabil liegt Herbert Lackner vor Heitmeier, was auch dazu beiträgt, dass der Wahlabend aus «dramaturgischer Sicht» langweilig ist. Nichts ist zu spüren von der knisternden Spannung von vor zwei Wochen, als Lackner nur um 0,6 Prozent die Stimmenmehrheit verfehlte. Nur einmal, als Lackners Stimmenanteil nach dem fünften Wahlbezirk aus 55,2 Prozent springt, brandet Jubel auf. Als nach dem Auszählen aller Stimmbezirke das Ergebnis feststeht, kann Wolfgang Heitmeier seinem Kontrahenten noch gar nicht zum Sieg gratulieren. Er geht zunächst zu Markus Hergenhan, dem Ortsvorsitzenden der CSU, um dem Wahlstrategen der Christsozialen die Glückwünsche zu überreichen.
«Ich muss das Ergebnis des Souveräns akzeptieren», erklärt der 55-Jährige. Die Polarisierung in den vergangenen zwei Wochen habe ihm nicht geschadet, sondern mehr Pfeffer in die argumentative Auseinandersetzung gebracht. «Die Diskussion ist intensiver geworden.» Aber gegen die Wechselstimmung habe kein Programm geholfen. «Ich bin der letzte, der für eine solche Stimmung kein Verständnis hat, schließlich habe ich bei meiner ersten Wahl auch vom Willen zum Wechsel profitiert.»
Wenige Augenblicke später trifft Lackner ein. Er lässt sich Zeit. «Jetzt trau di aufa Herbert», ruft ein CSU-Anhänger. Mit seiner Lebensgefährtin Anna muss sich der künftige Oberbürgermeister anschließend seinen Weg durch das Spalier aus Gratulanten, Fotografen und Medienvertretern bahnen. Viele Hände wollen gratulieren. «Heute ist Tag des Dankes. Das ist zu 60 Prozent der Erfolg der CSU und zu 40 Prozent mein Erfolg», sagt Lackner, der erst seit wenigen Monaten Parteimitglied ist. Programmatisch hält sich der 35-Jährige zurück. «Ich denke, ich bringe mehrere Fähigkeiten mit, die ich für das Amt brauche: juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand und die Power, um neue Impulse zu setzen.»
Vor allem im Bereich der Vermarktung will Lackner neue Akzente setzen. «Wir haben ein Top-Tourismusangebot, verkaufen es nur zu schlecht.» Auch Friedrich Hötzendorfer, Stadtrat und Parteikollege Heitmeiers, gratuliert Lackner mit leicht gequälter Miene: «Wir sehen uns dann im Mai, denn ich bleib hier.» Es klingt wie eine «freundliche Drohung» und hört sich sehr stark nach kommunalpolitischem Alltag an.
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