MEINUNGEN | Pro & Kontra
Streit um den Ladenschluss
Welche Folgen hätte die Liberalisierung der Öffnungszeiten für den lokalen Einzelhandel?
Rechtzeitig zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts ist die scheinbar endlose Diskussion um den Ladenschluss wieder in aller Munde. Noch immer kämpfen die Liberalisierungsbefürworter vergeblich für eine völlige Freigabe der Öffnunszeiten. Im aktuellen Forum von INNdependent.de erklären Gerhard Buluschek, Chef des Rosenheimer Einzelhandelsverbandes, und Michael Thaler, Kreisvorsitzender der Rosenheimer FDP, wie sich die Abschaffung des Ladenschlussgesetzes auf den hiesigen Einzelhandel auswirken würde.

Gerhard Buluschek (Einzelhandelsverband)
Vor fünf Jahren wurde das Ladenschlussgesetz geändert und erlaubt seither vor allem längere Öffnungszeiten am Abend und am Samstag.
Der Einzelhandel ist servicebereit:
Der größte Teil der Rosenheimer Händler hat damals von den neuen Möglichkeiten spontan Gebrauch gemacht und die Öffnungszeiten am Abend auf 19 Uhr und am Samstag auf 16 Uhr ausgedehnt. Wir machen dies gerne, um unseren Kunden einen perfekten Service zu bieten, auch wenn die Frequenz ab 18 Uhr so stark nach lässt, dass sich die Öffnung in dieser letzten Stunde nicht rechnet. Dennoch bieten wir gerne diesen zusätzlichen Service.
Die durchschnittliche Öffnungszeit der Geschäfte beträgt derzeit 57 Stunden pro Woche. Wenn man die Erreichbarkeit von Industrie und Behörden vergleicht, ist dies ca. doppelt so viel. Auch Menschen die viel arbeiten, haben da sicherlich reichlich Zeit, ihre Einkäufe zu erledigen. Wer mit diesen Zeiten nicht zurecht kommt, ist einfach schlecht organisiert.
Weitere Liberalisierung:
Von einer weiteren Liberalisierung der Öffnungszeiten rate ich ab, denn, wenn die Kunden heute an den Öffnungszeiten etwas auszusetzen haben, ist es nicht eine zu kurze Öffnungszeit, sondern sind es zu viele unterschiedliche Ladenöffnungen. Bei einer weiteren Freigabe des Ladenschlusses würden naturgemäß die Öffnungszeiten noch weiter auseinander driften und die Leute wären unzufriedener wie jetzt.
Soziale Komponente:
Da im Einzelhandel vorwiegend Frauen arbeiten, würden sich noch längere Öffnungszeiten schädlich auf das Familienleben auswirken. Vor diesem Hintergrund ist vor allem vor Sonntagsöffnungen dringend zu warnen. Schlechtere Arbeitszeiten würden qualifiziertes Personal aus dem Einzelhandel vertreiben – und wir wollen doch alle von qualifizierten Mitarbeitern beraten werden. Auch der öffentliche Personennahverkehr bewältigt weiter gespreizte Öffnungszeiten nicht.
Unter dem Aspekt, dass jede Veränderung des Ladenschlusses ebenso viele Nachteile wie Vorteile bringen würde, ist es sicherlich ratsam, sich wichtigeren Problemen zu widmen.

Michael Thaler (FDP)
Zum 1. November 1996 hat die CDU/CSU – FDP Koalition im Bund nach langem Drängen der FDP das Ladenschlussgesetz geändert. Wir feiern also gerade den fünften Geburtstag der neuen, liberalisierten Öffnungszeiten. Fünf Jahre danach ist eingetreten, was die FDP immer vorausgesagt hat. Besonders junge Leute, Hausfrauen und Berufstätige nutzen die verlängerten Einkaufsmöglichkeiten am Abend (Quelle: ifo-Institut München). Der Verbraucher ist der Gewinner der Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes.
Dazu haben die längeren Ladenöffnungszeiten zu der von allen gewünschten Belebung der Innenstädte gerade in den Abendstunden beigetragen. Auch beim Handel gibt es offenbar eindeutige Gewinner, warum sonst sollte sich Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), zum fünften Geburtstag der Neuregelung der FDP-Forderung nach völliger Abschaffung des Ladenschlussgesetzes anschließen. Sehr richtig fordert er, es müsse den Geschäften überlassen werden, wann sie öffnen wollen.
Ladenzeilen in Bahnhöfen und auf Flughäfen, Tankstellen-Shopping und das Wachstum des Handels via Internet machen deutlich, dass die Konsumenten in weit umfangreicherem Maß als bisher frei entscheiden wollen, zu welcher Zeit sie ihre Einkäufe erledigen. Der Einzelhandel braucht die Abschaffung des Ladenschlussgesetzes, um im Wettbewerb mit Internet-Shopping und Tankstellen flexibel genug reagieren und überleben zu können.
Auch als Arbeitnehmerschutzgesetz hat sich das Ladenschlussgesetz überlebt. Die Interessen der Arbeitnehmer werden heute viel präziser und zeitgemäßer durch tarifliche Vereinbarungen und andere Sozialgesetze gewahrt.
Die FDP möchte, dass jeder Ladeninhaber selbst entscheiden kann, inwieweit er den branchenspezifischen und regional geprägten Anforderungen seiner Kunden durch eine freie Gestaltung seiner Öffnungszeiten entgegenkommen will. Kein Einzelhändler soll gezwungen werden, länger zu öffnen, aber er soll die Möglichkeit dazu erhalten. Das Ladenschlussgesetz muss endlich abgeschafft werden.
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