MEINUNGEN | Pro & Kontra
Kann man auf einer Großveranstaltung sicher sein?
Der Amoklauf eines betrunkenen 16-Jährigen in Berlin schreckt die Öffentlichkeit – und wirft Fragen nach dem Risiko von Massenspektakeln auf.

Günther Beckstein
Günther Beckstein, bayerischer Innenminister
Am 9. Juni fällt in München mit dem Spiel Deutschland-Costa Rica der Startschuss für die Fußball-Weltmeisterschaft. Bereits zwei Tage später, am 11. Juni, findet in Nürnberg die Partie Mexiko-Iran statt. Die bayerischen Sicherheitsbehörden haben sich auf die Anforderungen, die diese Großveranstaltungen an die Sicherheit stellt, intensiv vorbereitet. Diese Vorbereitungen umfassen insbesondere die Abwehr einer etwaigen terroristischen Bedrohung, die Bekämpfung des Hooliganismus, den Schutz vor allgemeiner Kriminalität, die Sicherung so genannter Public-Viewing-Veranstaltungen – also Veranstaltungen, auf denen viele Menschen die Spiele auf Großbildleinwänden verfolgen können – sowie die Sicherstellung eines gut organisierten Katastrophenschutzes.
Für die Dauer der Weltmeisterschaft ist im Innenministerium ein eigenes WM-Lagezentrum eingerichtet worden. Es hat in dieser Woche seine Arbeit aufgenommen, um das polizeiliche Informations- und Koordinierungsaufkommen optimal zu gestalten. Somit ist die Polizei auf alle Ereignislagen, mit denen man nach menschlichem Ermessen während der kommenden Großveranstaltungen rechnen kann, vorbereitet.

Klaus G. Förg
Klaus G. Förg, Fotograf, zufälliger Augenzeuge in Berlin:
Bei strenger Kontrolle des Zutritts zu Fußballstadion und so wie moderne Arenen angelegt sind, ist größeres Unheil wohl ausgeschlossen. Aber wir haben bei diesem Amoklauf, den ich hautnah miterleben musste, gesehen, dass eine Absicherung faktisch unmöglich ist, wenn Hunderttausende Menschen aus allen Richtungen kommen. Eine solche Masse ist nicht wirklich zu schützen, auch wenn sich die Polizei noch so bemüht. Da kann man sich nur selbst als Einzelner schützen: dadurch, dass man nicht hingeht.
Wenn ich auf Grund meines Berufs als Fotograf zu so einem Ereignis muss, versuche ich wachsam zu sein. Ich versuche, früher zu kommen, später zu gehen. Ich versuche, nicht mit dem Auto hinzufahren. Allerdings muss man leider feststellen, dass ein Ereignis wie dieser Amoklauf so unglaublich schnell abläuft, dass man es nicht richtig wahrnehmen kann. Selbst die direkt neben mir schwer verletzte Frau hat erst 20 Sekunden nach der Tat gemerkt, dass der Täter mit einem Messer zugestochen hat; der ist wie ein Schatten in der Menge verschwunden, er hat mich weggestoßen, ich dachte, der entkommt; Gottseidank konnte er Minuten nach der Tat gefasst werden.
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