MEINUNGEN | Pro & Kontra
Darf Rosenheim unterm Hofstätter See Wasser holen?
In dieser Woche haben die Stadtwerke Rosenheim vor dem Verwaltungsgericht einen Erfolg erzielt auf dem Weg zum Bau eines Trinkwasserbrunnens im Gebiet Hofstätter See. Eine Schutzgemeinschaft von Bürgern und Gemeinden wehrt sich und sieht das wertvolle Naturgebiet in akuter Gefahr.

Götz Brühl
Götz Brühl, Geschäftsführer der Rosenheimer Stadtwerke:
Erstens: Das Ganze ist für die Rosenheimer Bevölkerung und damit für uns eine Sache der Notversorgung. So ist das beantragt. Damit ist eine kommerzielle Nutzung ausgeschlossen. Zweitens: Eine kommerzielle Nutzung des neuen Brunnens ist technisch auch nicht möglich.
Der Vorwurf, wir machten das wegen des Geldes, ist daher abwegig. Wir investieren hier in Sicherheit. Die Aussage, das sei unnötig, ist falsch, weil es für die Versorgungsgruppe Willing keinerlei Ersatz gibt. Die anderen Versorgungsbrunnen reichen nur für einen kleinen Bruchteil der benötigten Menge aus.
Drittens: Es ist nicht richtig, dass wir die Feuchtgebiete des Hofstätter und des Rinsees sowie das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet gefährden und die Wassersituation beeinträchtigen, weil der Grundwasserleiter, den wir mit dem Brunnen anzapfen, keine Rückwirkung auf die Seen und Feuchtgebiete hat. Das kommt daher, dass der Wasserspiegel des Grundwassers 12 bis 15 Meter unterhalb des Seespiegels liegt und somit kein Grundwasser zum See hochkommen kann. Das kann jeder nachmessen. Wir sehen am Verhalten des Grundwasserspiegels – etwa bei und nach Starkregen – dass der Grundwasserleiter den See nicht beeinflusst. Dass kein Grundwasser in den See kommt, ist auch durch die Wasserchemie nachgewiesen: Das Seewasser ist kalkfrei, das Grundwasser nicht.
Damit können wir ausschließen, dass es eine Gefährdung geben kann, was auch alle Fachbehörden und das Landesamt für Umweltschutz bestätigt haben. Wir möchten auf ein Miteinander mit den Gemeinden zusteuern, das allen Beteiligten hilft. Das Gericht und die Regierung von Oberbayern haben all das bestätigt.

Teresa Pöller
Teresa Pöller von der Schutzgemeinschaft Hofstätter-Rinser-See (SHR):
Das Gebiet um den Hofstätter See gehört unbestritten zu den wichtigsten Naturgebieten nicht nur im Landkreis Rosenheim sondern europaweit. Ob die Stadtwerke Rosenheim einen Bedarf für eine Notversorgung haben oder das Projekt zu kommerziellen Zwecken vorantreiben, ist nicht der springende Punkt. Tatsache ist: das Gebiet lebt und wird gespeist vom Grundwasser. Der Hofstätter See ragt 29 Meter tief in das Grundwasser hinein. Acht namhafte Wissenschaftler haben bestätigt, dass eine Veränderung der Grundwasserverhältnisse in diesem Gebiet unweigerlich zu einer Gefährdung führt. Daher ist das Vorhaben nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz nicht zulässig.
Es muss festgehalten werden, dass die Stadtwerke Rosenheim bereits über eine Trinkwasserreserve von 3.000.000 Kubikmeter verfügen und über einen Notverbund mit Bad Aibling und Kolbermoor.
Ob Seen und Moore gefährdet sind, kann man nur durch ein Experiment beweisen. Geht das negativ aus, ist die Gefahr nicht nur akut: Der Schaden ist nicht mehr zu reparieren. Das zeigt sich an anderen Stellen – etwa der Hemhofer Seenplatte – wo durch Grundwasserentnahme schwere Schäden längst sichtbar sind, die man jetzt mit Millionenaufwand zu reparieren versucht.
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